Wir treffen Reiter beim Hundespaziergang – Was beachten?

Huch... Pferde

Reiter haben es in der freien Landschaft wirklich nicht leicht. Das Reitwegerecht ist genauso kompliziert wie die Regelungen zur Leinenpflicht. Reiter dürfen nicht auf Bürgersteigen reiten, nicht auf Radwegen und umgekehrt dürfen Fußgänger und Radfahrer Reitwege nicht benutzen. Auch das Führen von Pferden ist auf Radwegen oder Bürgersteigen eigentlich nicht erlaubt. Wer ein Pferd führt, muss auf der Straße gehen und zwar auf der rechten Seite, denn er gilt entsprechend StVO als langsames Fahrzeug und nicht als Fußgänger. Noch Fragen? Eben, das weiß auch nicht jeder Reiter und falls doch, gibt es genügend, denen das schlichtweg zu gefährlich ist, ganz besonders wenn der Verkehr dichter ist und Autofahrer – die die Regelungen oft selbst auch nicht kennen, hupen und dicht auffahren und damit eine heftige Reaktion des Pferdes provozieren.

Ein Pferd ist ein ziemliches großes, starkes, reaktionsfreudiges Tier. Aber es ist auch liebenswert und deshalb hat sein Reiter es gern und möchte die Zeit genau wie wir Hundefreunde draußen unterwegs genießen. Das sollten wir ihnen gönnen und nicht den Tag versauen, indem wir zulassen, dass unser Hund das Pferd verbellt oder sogar anspringt oder in Schweif oder Beine beißt. Es ist leicht nachvollziehbar, dass das Pferd sich wehren wird und das geht für unseren Hund schlecht aus. Auch sollten wir nicht zulassen, dass unser Hund auf ein Pferd zuspringt. Selbst wenn wir ausschließen können, dass unser Vierbeiner das Pferd bedrohen will. Wenn ein Pferd scheut, hat es einen Reaktions-Radius von mehreren Metern, in dem niemand sicher ist. Mit etwas Pech folgen noch ein paar kräftige Galoppsprünge, mit denen das Pferd – das immer noch ein Fluchttier ist – auf Abstand gehen will, bevor es sich bestenfalls die „Bedrohung“ erneut ansieht. Ein guter Reiter auf einem gut ausgebildeten Pferd kann eine solche Situation schnell auffangen. Unangenehm ist es dennoch. Aber es sind auch junge Pferde unterwegs und nicht jeder Reiter einer Gruppe ist erfahren. Die sammelt er jetzt. Deshalb ist er ja unterwegs.

Wie erkenne ich, ob ich überholen kann?

Die Schrittgeschwindigkeiten von Pferden liegt etwas über der eines marschierenden Menschen. Dennoch kann es vorkommen, dass wir mit dem Hund an Reitern vorbeigehen. Zum Beispiel weil sie eine Pause eingelegt haben.

Macht Euch bemerkbar! Ruft und fragt, ob Ihr vorbeigehen könnt. Stehen die Pferde im Weg, bittet darum, dass man Euch etwas Platz macht. Sagt ruhig, wenn Euch die großen Tiere beunruhigen. Quetscht euch nicht vorbei und auch nicht durch die Gruppe hindurch. Wenn Ihr seht, dass einer der Reiter gerade ein Problem hat, zum Beispiel weil sein Pferd „zappelt“ oder nicht an irgendwas vorbeigehen will, wartet! Möglicherweise kann der Reiter die Situation gerade nicht unterbrechen. Auf gar keinen Fall solltet Ihr mit der Leine auf die Kruppe des Pferdes schlagen, damit es weiterläuft oder in den Zügel greifen (doch sowas gibt’s).

 Uns kommen Reiter entgegen – das solltet Ihr auf gar keinen Fall tun!

Es gibt Hundefreunde, die meinen es richtig gut und machen dann einen Kardinalfehler, der für Pferde und Reiter gefährlich werden kann. Deshalb: Nicht mit dem Hund hinter einem Baum oder einem anderen vermeintlichen Sichthindernis verstecken. Es ist nicht der Anblick des Hundes, der das Pferd erschrecken kann, es sind seine Reaktionen. Je früher es ihn sieht, umso besser. „Mein Hund bellt aber wie verrückt, wenn ein Pferd vorbeiläuft“. Das ist dann das Problem des Reiters und solange Ihr den Hund bei Euch haltet und er Euch nicht zum Pferd zieht, werden die allermeisten Pferde damit gut zurechtkommen. Sollte Euer Hund besonders heftig reagieren, warnt den Reiter durch Zuruf vor. Sorgt selbst für größtmöglichen Abstand oder geht den Weg soweit zurück, dass Ihr mehr Abstand herstellen könnt. Ihr könnt Euren Hund nicht halten? Dann bleibt nur noch, den Rückzug anzutreten, damit niemand gefährdet wird. Ihr solltet heute noch eine Hundeschule kontaktieren. Auch die Leine kann zum Problem werden. Wickeln sich schleifende Schleppleinen oder ausgefahrene Flexi-Leinen um Pferdebeine, ist der Unfall vorprogrammiert. Lange Leinen, die durch das Laub rascheln, werden nahezu alle Pferde als nahende Gefahr (Schlange z.B.) einstufen. Deshalb: "Bei Fuß" am Pferd vorbei - und alle bleiben gesund und munter!

Und noch etwas zum Thema Pferdekoppel (und natürlich auch alle anderen Weideflächen)

Lasst Euren Hund bitte keinesfalls auf eine Wiese laufen, auf der Pferde grasen. Pferde sind schneller, stärker und nicht jedes Pferd mag Hunde. Ein Hund hat gegen ein angreifendes Pferd keine Chance. Umgekehrt gibt es auch Pferde, die vor einem sich nähernden Hund fliehen wollen. Das wiederum stachelt den Jagdtrieb des Hundes an. Als Hundehalter habt Ihr dann keine Möglichkeit mehr, einzugreifen. Es kommt immer wieder zu schweren Unfällen, wenn die Pferde stürzen oder die Zäune durchbrechen (Kein Zaun hält eine durchgehende Pferdeherde auf). Wir Hundehalter sind Tierfreunde. Wir machen sowas deshalb nicht und passen auf unseren Hund auf.

Keine Pferde auf der Weide?

Trotzdem bitte Hunde nicht auf die Flächen lassen. Hundehaufen im Gras sind für Pferde eine Gesundheitsgefährdung. Noch schlimmer sind gebuddelte Löcher, in denen sich spielende Pferde wirklich sehr schwer bis tödlich verletzen können, wenn sie im vollen Lauf hineintreten. Apropos: Ist Euer Hund versichert? Hier gibts Informationen von einer Expertin der R+V Versicherung. 

Eine schöne saftige Wiese mit hohem Gras - Eine Einladung zum Toben?

Auf keinen Fall. Mit größter Wahrscheinlichkeit handelt es sich um eine Mähwiese. Hier wächst Winterfutter. Liegengelassene Stöckchen oder verlorene Bälle verstopfen und beschädigen das Mähwerk oder gelangen ins Futter. Ein Pferd wird Plastik nicht mitfressen. Rinder hingegen schon und für sie wirds dann lebensgefährlich. Hundehaufen verunreinigen das Futter, sodass die Tiere das Heu gar nicht mehr fressen. Teuer und ärgerlich für den Tierhalter! Bitte auch nicht vergessen: Grünland ist Nist- und Setzfläche im Frühjahr. Hier sitzen Bodenbrüter und kleine Säugetiere, weil sie sich sicher fühlen. Das sollten wir respektieren und sie nicht stören. Aus diesem Grund darf der Landwirt zu dieser Zeit auch noch nicht mähen.

Achtung Strom!

Die meisten Pferdekoppeln sind mit Strom eingezäunt. Damit die Pferde die Zäune auch zuverlässig akzeptieren, ist auf den Zäunen ganz schön „Wumms“. Achtet deshalb darauf, dass Eure Hunde nicht an den Zaun geraten. Kinder bitte auch nicht.

Hund am Rad! - Nicht "vorbeiwuschen"

Die aller-allermeisten Pferde, die im Gelände unterwegs sind, reagieren auf Fahrräder gelassen....vorausgesetzt, sie hören oder sehen sie früh genug. Pferde und Fußgänger erschrecken sich gleichermaßen, wenn jemand mit dem Rad an ihnen vorbeizischt, womöglich noch dicht. Bitte macht das nicht. Ruft oder klingelt. Ihr könnt auch "Klingeling" rufen. Den Unterschied macht die "Spannweite" eines Pferdes. Ein Pferd kann nämlich ausschlagen. Nicht nur nach hinten, sondern auch zur Seite und es kann in alle Richtungen sehr genau zielen, wenn es sich erschreckt und angegriffen fühlt. Wenn es sich dabei streckt (und das wird es wahrscheinlich tun), trifft es auch in drei Meter oder mehr Entfernung noch. Pferde sind friedliche Tiere. Aber sie haben ein enormes Reaktionsvermögen und das setzen sie im Notfall auch ein. Das gilt übrigens auch für Kutschpferde. (Siehe verlinktes Lehrvideo unten). Deshalb: bemerkbar machen und bitte nicht vorbeiquetschen. Bedenkt, dass Ihr mit Hund am Rad auch schlecht einen Haken schlagen könnt.

Ergänzung nach Leserhinweis eines Kutschfahrers: Bitte im Vorbeifahren nicht am Pferd abstützen (Sachen gibts)

Und die lassen die Pferdeäppel liegen…..

Stimmt und das ist vielen Hundehaltern ein Dorn im Auge. Genaugenommen müssen Reiter Pferdeäpfel von Straßen entfernen, allerdings nicht sofort, wenn ihnen das nicht möglich ist. Immer mehr Reiter kommen später mit dem Auto wieder und nehmen die Äppel mit. Andere steigen ab und schieben sie mit dem Stiefel an den Wegesrand. Pferdeäppel direkt mitzunehmen, ist etwas arg kompliziert. Der Reiter braucht beide Hände am Pferd, baumelnde Tüten sind da ein echtes Problem. Zudem: Pferdeäppel sind Dünger und bestehen aus Pflanzenfasern und Wasser, denn Pferde sind reine Pflanzenfresser. Von ihrem Mist geht keine Gefährdung für andere Lebewesen aus (mal abgesehen von Collies mit Gendefekt, die Mist von frisch entwurmten Pferden fressen). Pferdeäppel sind (im Gegensatz zu Hundehaufen) Nahrungsgrundlage für eine Vielzahl wertvoller Nützlinge, wie eine Reihe von selten gewordenen Käfern. Deshalb „verschwinden“ die Äppel einer halbwegs gesunden ökologischen Umgebung auch recht schnell. Dazu gibt es übrigens spannende Untersuchungen. 

Freut Euch einfach, wenn Ihr Reiter seht. Pferde sind ein schöner Anblick :-)

Und falls Ihr nun wissen wollt, wie man Reitern oder Kutschen im Straßenverkehr begegnet: Hier ist ein schönes und informatives Video

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