Wie sicher ist der Hund im Auto?

Dipl.-Ing. Britta Schnottale ist bei der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) im Referat „Passive Fahrzeugsicherheit und Biomechanik“ als wissenschaftliche Angestellte beschäftigt. Hier ist sie zuständig für Fragen der Sicherheit von Kindern in Fahrzeugen. Dies beinhaltet neben der Arbeit in nationalen und europäischen Forschungsprojekten, Teile der gesetzlichen Regelung sowie des Verbraucherschutzes.

Die Bundesanstalt für Straßenwesen ist eine Forschungseinrichtung im Ressort des Bundesverkehrsministeriums. Zielsetzung der Forschung ist unter anderem die Verbesserung der Sicherheit des Straßenverkehrs. Sie verfügt über einen Etat von 47 Millionen Euro, hat 400 Beschäftigte und betreibt unter anderem eine eigene Crashtestanlage.

Noch vor wenigen Jahrzehnten war es völlig in Ordnung, Kinder ungesichert im Auto mitzunehmen. Dann wurden die ersten Kindersitze entwickelt. Heute gibt es Fahrassistenten und wir sprechen über autonomes Fahren. Ist die Spitze der Sicherheit beim Autofahren erreicht?

Die Spitze der Sicherheit nicht nur beim Autofahren wäre das Erreichen der Vision Zero, also keine Toten und Schwerverletzten im Straßenverkehr. Hierbei ist es jedoch nicht ausreichend, alleine fahrzeugseitige Maßnahmen zu beachten. Das gesamte Straßenverkehrssystem muss diesem Ziel entsprechend gestaltet werden. Auch jeder einzelne Mensch als Verkehrsteilnehmer muss sich seiner Verantwortung für sein Leben und das der anderen Verkehrsteilnehmer bewusst sein.

Unfälle sind oft die Folge von Nachlässigkeit, vielleicht auch Unwissen. Mangelt es an Aufklärungsarbeit?

Alle an der Verkehrssicherheitsarbeit Beteiligten sind sich bewusst, dass Verkehrssicherheit nicht ohne Aufklärung der Verkehrsteilnehmer möglich ist. Die Aufklärungsarbeit ist ein wesentlicher Baustein bei der Reduktion von Toten und Schwerverletzten. Hier muss das Bewusstsein für eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr und für die Verantwortung für sich selbst und für andere geschaffen werden. Zahlreiche Kampagnen und Aktionen die dieses Bewusstsein schaffen und das nötige Wissen vermitteln wollen, werden von verschiedenen Trägern zu den unterschiedlichen Themen der Verkehrsteilname angeboten. Natürlich sind hier auch immer wieder neue Ideen der Informationsvermittlung gefragt, ebenso wie neue Wege, die Zielgruppen zu erreichen. Gleichzeitig ist es aber auch so, dass täglich neue Verkehrsteilnehmer, neue Autofahrerinnen, neue Eltern, neue Hundebesitzer usw. hinzukommen, sodass die Aufklärungsarbeit niemals abgeschlossen ist.

Der richtig gesicherte Hund im Auto schützt auch die menschlichen Mitfahrer. Hundebesitzer zu sensibilisieren, BEVOR etwas passiert, scheint keine leichte Aufgabe zu sein. Wie lange hat es gedauert, bis Kindersitze zur Selbstverständlichkeit wurden?

1991 wurden in Deutschland innerorts gerade mal 32 Prozent der Kinder in einen Kinderschutzsystem gesichert, weitere 32 Prozent mit dem Erwachsenengurt. Seit 1993 besteht die Pflicht, ein Kind im Kinderschutzsystem zu sichern. Lag die Sicherungsquote 1993 innerorts bei 51 Prozent mit einem Kindersitz und 32 Prozent mit dem fahrzeugeigenen Gurt wurden 2020 91,2 Prozent der Kinder mit einem Kinderschutzsystem und 8,6 mit dem fahrzeugeigenen Gurt gesichert. Für die meisten Eltern, insbesondere für Kinder bis zu einem Alter von 6 Jahren, ist die Verwendung eines Kinderschutzsystems zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Für die älteren Kinder ist die Quote mit 87,4 Prozent Verwendung eines Kinderschutzsystems innerorts nicht ganz so gut. Neben der Pflicht zur Verwendung von Kinderschutzsystemen haben auch zahlreiche Kampagnen zu Sicherung von Kindern in Fahrzeugen unterschiedlichster Organisationen dazu beigetragen, dass wir in Deutschland eine hohe Quote bei der Verwendung von Kinderschutzsystemen haben. Es sollte jedoch auch darauf aufmerksam gemacht werden, dass diese Zahlen nichts darüber aussagen, ob der Kindersitz richtig benutzt wird. Auch hier ist noch immer und immer wieder die Information und Aufklärung aller die für die Sicherung des Kindes verantwortlich sind und auch der Kinder selbst erforderlich.

Gibt es etwas, was Sie Autofahrern mit Hund oder allgemein gerne sagen würden?

Wie bereits gesagt, sollte sich jeder Verkehrsteilnehmer und jede Verkehrsteilnehmerin der Verantwortung für das eigene Leben und das der anderen am Gesamtsystem Verkehr Beteiligten bewusst sein. Das gilt natürlich auch für das Autofahren mit Hund. Ein Hund sollte während einer Autofahrt so gesichert sein, dass von ihm keine Gefahr für die Fahrzeuginsassen ausgeht. Dieses betrifft sowohl Ablenkung als auch Behinderung bei der Fahraufgabe. Nicht zuletzt ist zu vermeiden, dass der Hund im Falle eines Unfalles durch das Auto geschleudert wird und so die Insassen verletzt. Alle Maßnahmen zu Sicherung des Hundes dienen aber nicht zuletzt auch dem Schutz des Hundes.

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